2026 Kaukasus Express
Von der Schweiz in den Kaukasus
Unsere Reise begann in St. Moritz. Von dort machten wir uns auf den Weg Richtung Süden und trafen unterwegs Thorsten mit seinem Toyota Hilux. Ab jetzt waren wir zu dritt und mit zwei Fahrzeugen unterwegs.
Unser erstes grosses Ziel war Ancona. Dort ging es auf die Fähre nach Igoumenitsa und damit begann für uns endgültig das Gefühl: Jetzt sind wir unterwegs.
Von Igoumenitsa fuhren wir quer durch Griechenland nach Thessaloniki. Dort legten wir einen ersten familiären Zwischenstopp bei Rolfs Tante Frida und ihrer Tochter Helena ein.
Noch einmal gemütlich zusammensitzen, gut essen und ein bisschen durchschnaufen, bevor es weiter Richtung Osten ging.
Denn das eigentliche Abenteuer lag noch vor uns.
Von Thessaloniki führte unsere Route weiter durch Griechenland und über die Grenze in die Türkei. Kilometer um Kilometer arbeiteten wir uns Richtung Osten vor, bis wir schliesslich den vereinbarten Treffpunkt mit Asmir, dem Tourguide von Travellertrio erreichten.
Ab hier waren wir Teil einer organisierten Reisegruppe.
Unser gemeinsames Ziel war der Kaukasus.
Die ersten Pisten
Schon in der Türkei verliessen wir immer wieder die normalen Strassen.
Am 22. August waren wir in der Gegend von Aşağı Yongalı unterwegs. Die Landschaft wurde karger, die Berge mächtiger und aus Asphalt wurden Pisten.
Und genau hier begann wieder unser übliches Spiel:
Rolf fährt.
Carmen sieht ein Motiv.
„Halt mal kurz.“
Ich weiss nicht, wie oft Rolf diesen Satz auf dieser Reise noch hören sollte. Vermutlich öfter, als ihm lieb war. 🤣
Aber für mich begann hier genau das, worauf ich mich gefreut hatte. Diese Weite. Die Berge. Staubige Pisten, auf denen weit und breit kein anderes Fahrzeug zu sehen war. Landschaften, bei denen ich am liebsten alle paar hundert Meter ausgestiegen wäre.
Mit meiner Kamera natürlich.
Nur ganz schnell ein Foto.
Willkommen in Georgien
Am 23. August erreichten wir bei Batumi die georgische Grenze.
Ich könnte jetzt schreiben:
„Wir überquerten die türkisch-georgische Grenze.“
Das wäre zwar korrekt, würde aber ungefähr 95 Prozent der Geschichte unterschlagen.
Dieser Grenzübertritt war ein einziges Affentheater.
Lange Wartezeiten, Geschrei, Diskussionen und ein Ablauf, der auf uns völlig unorganisiert wirkte. Dazu Beamte, die uns sehr deutlich spüren liessen, wer hier das Sagen hatte.
Wir fühlten uns zeitweise eher wie Schwerverbrecher als wie drei harmlose Reisende mit zwei Geländewagen.
Irgendwann hatten wir es dann tatsächlich geschafft.
Wir waren in Georgien.
Und als wir am Abend unseren ersten Nachtplatz an einem Stausee erreichten, hätte der Gegensatz kaum grösser sein können.
Plötzlich war da nur noch Ruhe.
Grüne Wiesen, bewaldete Berge, tief hängende Wolken und unsere Fahrzeuge mitten in dieser Landschaft.
Dächer auf.
Lager einrichten.
Ankommen.
Nach dem Theater an der Grenze tat diese Stille richtig gut.
Weiter Richtung Kaukasus
In den folgenden Tagen führte uns die Reise immer tiefer nach Georgien hinein.
Am 27. August übernachteten wir am Tbilisi Lake. Wieder einer dieser Plätze, an denen am Abend einfach die Fahrzeuge abgestellt wurden und für ein paar Stunden Ruhe einkehrte.
Doch die sollte nicht lange anhalten.
Denn vor uns lag einer der Abschnitte, auf den ich gleichzeitig gespannt war und vor dem ich gehörigen Respekt hatte:
Der Abano Pass.
Die Strasse hinauf nach Tuschetien war genau das, was man sich unter einer Kaukasus-Piste vorstellt.
Schmal.
Steil.
Spektakulär.
Und stellenweise so ausgesetzt, dass ich besser nicht zu lange nach unten schaute.
Was ich natürlich trotzdem tat.
Rolf fuhr.
Ich schaute.
Vielleicht wäre es manchmal besser gewesen, ich hätte nicht ganz so genau geschaut. 😬
Aber die Landschaft war unglaublich. Berge, tiefe Täler und eine Piste, die sich durch diese gewaltige Landschaft schlängelte.
Genau wegen solcher Strecken waren wir mit unseren 4×4 hierhergekommen.
Und dann war da noch das Schaf
Auf der Rückfahrt vom Abano Pass passierte etwas, das wir uns alle lieber erspart hätten.
Thorsten erwischte mit seinem Hilux ein Schaf.
Das Tier überlebte den Unfall leider nicht.
Für die Hirten war das verständlicherweise alles andere als lustig. Nach einigen Diskussionen verlangten sie von Thorsten 120 Euro für das Tier.
Und irgendwo zwischen Betroffenheit, Diskussion und der Frage, wie so etwas überhaupt passieren konnte, tauchte natürlich irgendwann wieder einer auf, der bisher verdächtig ruhig gewesen war:
Jens.
Wir waren uns ziemlich sicher:
Jens war’s.
Thorsten konnte schliesslich unmöglich etwas dafür. 🤣
So leid uns die Sache mit dem Schaf tat, sie wurde zu einer jener Geschichten dieser Reise, die uns noch lange begleiten würde.
Und wie sich später herausstellen sollte, war Jens mit seinen Aktivitäten noch lange nicht fertig.
Zeit für einen eigenen Weg
Nach unserer Rückkehr vom Abano Pass kam für uns der Moment, an dem wir eine Entscheidung trafen.
Wir verabschiedeten uns von der organisierten Tour mit Travellertrio.
Nicht, weil wir plötzlich keine Lust mehr auf den Kaukasus hatten.
Ganz im Gegenteil.
Wir merkten einfach, dass wir anders weiterreisen wollten.
Wir wollten morgens selbst entscheiden, wann wir losfahren. Unterwegs anhalten, wenn uns ein Ort gefiel. Einen geplanten Nachtplatz verwerfen, wenn wir irgendwo etwas Schöneres fanden. Eine Piste fahren, weil sie interessant aussah. Oder einfach einmal bleiben.
Keine Gruppe mehr.
Keine vorgegebene Route.
Ab jetzt waren wir drei Freunde mit zwei Fahrzeugen unterwegs.
Rolf und ich im Ford Ranger.
Thorsten im Toyota Hilux.
Und irgendwo unsichtbar im Hilux sass vermutlich Jens und wartete bereits auf seine nächste Gelegenheit.
Wir hatten zu diesem Zeitpunkt noch keine Ahnung, wie viele Geschichten uns genau diese Entscheidung noch bescheren würde.
Aber eines wussten wir:
Ab jetzt bestimmten wir unseren Weg selbst.“